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»Oh Mensch, lerne tanzen« hatten sich die Teilnehmer des integrativen »Resi-Dance«-Tanztheaterprojekts zum Credo erkoren und setzten es in der Neuen Schmiede gekonnt um. Foto: Kerstin Panhorst

Oh Mensch, lerne tanzen

»Resi-Dance« in der Neuen Schmiede

Von Kerstin Panhorst

Bielefeld (pan) Seraphime, Cherubime oder auch Puttenengel wurden schon immer in der Kunst dargestellt. Dass die himmlischen Geisteswesen aber nicht nur auf barocken Bildern eine gute Figur machen, sondern sich auch als Inspiration für das Tanztheater eignen, zeigte sich am Freitag in der Neuen Schmiede in Bethel.

Das »Resi-Dance« Theaterprojekt unter der Leitung von Nathalie Mathieu zeigte in sechs Tanzsequenzen vor mehr als 60 Besuchern Bilder und Impressionen zum Thema »Engel«. 21 Männer und Frauen mit unterschiedlichen körperlichen und geistigen Fähigkeiten im Alter von 19 bis 65 Jahren hatten für die Präsentation des Projekts in der Neuen Schmiede zehn Tage lang intensiv geprobt.

»Das ist bereits mein fünftes Tanzprojekt, allerdings das erste in Kombination von Tänzern aus meiner Tanzwerkstatt mit Menschen, die in Bethel wohnen oder dort ambulant betreut werden«, erzählt Nathalie Mathieu. Möglich wurde das integrative Tanzprojekt mit Unterstützung des Bewegungsund Sporttherapeutischen Dienstes und »Bethel.regional« sowie dank des Einsatzes der Peter-Gläsel- Stiftung in Detmold.

Nathalie Mathieu, ehemalige Solotänzerin des Tanztheaters der Bielefelder Bühnen und Leiterin der Tanzwerkstatt Mathieu, hatte sich im Vorfeld zwar bereits ein grobes Konzept überlegt, doch noch während der Probenphase wurden Ideen und Anregungen der Teilnehmer einbezogen. »Wir haben viel mit rhythmischer Improvisation gemacht, mit Bewegung und weniger an einzelnen Sequenzen gefeilt. Eine Teilnehmerin wollte gerne ein Lied von DJ Ötzi singen, also haben wir es spontan eingebaut«, erinnert sich Nathalie Mathieu. Durch diese zum Teil beinahe willkürlich zusammengestellte Musik ist dem Projekt eine einzigartige Mischung aus trivialer und klassischer Untermalung gelungen.

Neben Instrumentalmusik und DJ Ötzi fügt sich »Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei« völlig harmonisch zu zwei Liedern der französisch-israelischen Sängerin Yael Naim. Auch in der Choreographie kommt es im Stück immer wieder zu einem Bruch bewährter Muster. Mal tanzen die Teilnehmer geordnet im Kreis oder bilden lange Reihen, mal springen sie wild durcheinander, jeder für sich und doch miteinander auf der Bühne. Mit selbst gebastelten Engelsflügeln schweben die Tänzer umher und fassen sich im nächsten Augenblick an den Händen zum Standardtanz.

Grundlage dieses ungeheuer leicht und unverbraucht wirkenden Tanztheaterstücks war ein Zitat von Augustinus: »Oh Mensch, lerne tanzen, sonst wissen die Engel im Himmel mit dir nichts anzufangen.« In getanzten Bildern und mit selbst verfassten Texten näherten sich die Teilnehmer den Engeln, ob es nun Schutzengel waren oder die Befürchtung, zu alt für eine Engelskarriere zu sein. Die Engel im Himmel dürften jedenfalls nach dieser Aufführung mit allen Beteiligten etwas anzufangen wissen. Denn tanzen, das haben sie gelernt.

Quelle Text und Bilder: Westfalen-Blatt vom 9. August 2011

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